Meerschweinchen-Gebiss

Meerschweinchen haben ein Nagetiergebiss; sie machen noch im Mutterleib den Zahnwechsel durch und kommen mit dem bleibendem Gebiss zur Welt. Die Nage- oder Schneidezähne dienen zum benagen bzw. abbeißen von Nahrung und die Bachenzähne zum gründlichen zerkleinern der aufgenommenen Nahrung.
Der Kiefer besitzt ein sogenanntes Schlittengelenk, was die typischen Kaubewegungen vor und zurück möglich machen, so wird die Nahrung besonders klein gemahlen.


Unterkiefer-Skelett mit Zahnspitzen
Unterkiefer
Bildquelle: U.Libertus

Das Gebiss eines Meerschweinchens besteht aus 20 Zähnen, die keine Zahnwurzeln besitzen. Das Gebiss setzt sich wie folgt zusammen:
Im Oberkiefer ebenso wie im Unterkiefer sitzen jeweils 2 Nagezähne und je 8 Backenzähne die sich auf je 4 Zähne pro Seite aufteilen.
Die Schneidezähne sitzen halbmondförmig gebogen im Kieferknochen, dadurch besitzten die Zähne auch ohne Wurzeln eine festen halt. Die Schneidezahn Vorderseite ist mit einem harten Zahnschmelz überzogen.

Zwischen den Nagezähnen und Backenzähnen gibt es eine Zahnlücke der Diastema im Gebiss, da unsere Meerschweinchen keine Eckzähne besitzen.
Die Nage- und Backenzähne eines Meerschweinchens wachsen ein leben lang, ca 1-1,5 mm pro Woche. Daher ist es wichtig den Tieren Nahrung anzubieten, die natürliche Abnutzung der Zähne begünstigt. Nicht allein das Futter oder das Nagematerial nutzt die Zähne ab sondern vor allem die dabei entstehende Reibung bei Nage- und Kaubewegungen. Nachfolgende Futtermaterialien helfen den Tieren bei der natürlichen Abnutzung der Zähne:

1.  Heu
2.  trockenes schimmelfreies Brot
3.  Zweige (von Obstbämen, Birke, Haselnuss ...)
     Blätter  dieser Bäume (auch getrocknet)
5.  Rinde der oben genannten Bäume
6.  Korkrinde.

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Bildquelle: U.Libertus


Neben den natürlichen Nagematerialien bietet der Zoohandel verschiedene Knabberstangen an, die ab und zu gereicht, auch hilfreich sein können.

Leider treten trotzdem immer wieder einmal Zahnprobleme bei Meerschweinchen auf, die nicht immer als solche erkannt werden. Oft werden Zahnprobleme einfach zu spät bemerkt, da man seltenst in das Mäulchen der Meerschweinchen hineinschaut. Dennoch gibt es sichtbare Anzeichen für Zahnprobleme, diese können wie folgt aussehen:

1.  Fressunlust
2.  starkes speichel (Kinn ist ständig nass)
3.  Abmagerung
4.  verändertes Kauverhalten
5.  verweigert die Futteraufnahme
6.  Stoffwechselstörungen

Folgend möchten  wir nun ein paar Ursachen und deren Folgen aufzählen:

1. Die Zähne nutzen sich nicht richtig ab!

Nutzen sich die Zähne nicht außreichend gleichmäßig ab, können diese zu lang werden oder z.B. Zahnspitzen entstehen. Diese können die Backen oder gar die Zunge des Tieres verletzen und diese sich im schlimsten Fall entzünden. Durch die dabei auftretenden Schmerzen verweigert das Schweinchen das Fresse und magert ab.
Bleibt dies unentdeckt, kann das bis zum Tot des Tieres führen. Es würde vor dem vollen Napf verhungern. Ein feuchtes Mäulchen und starkes speicheln sind erkennbare Hinweise für Zahnprobeme. Im schlimmsten Fall ist dann schon die ganze Mundhöle durch nur einen zu scharfen Zahn stark entzündet. Hierbei ist es dann wichtig wie bei allen anderen Anzeichen auf Zahnprobleme umgehend den Tierarzt aufzusuchen. Nach der Zahnkorrektur des TA kann es weiterhin sein das das Schweinchen immer noch die Aufnahme von Futter verweigert, da des Mäulchen weiterhin schmerzt. Hier muß dann mit weicher Nahrung (Brei) gegebenenfalls Brei nachgeholfen werden. Dies wird so lange praktiziert bis das das Meerschweinchen wieder selbstständig genug Nahrung aufnimmt und dabei zunimmt.

2. Zu lange Nagezähne!

Können auch durch ungenügende Abnutzung der Zähne entstehen. Ebenso aber auch bei Zahnfehlstellungen, wenn ein Zahn ganz  fehlt oder einer gar abgebrochen ist. Hier kann es bei dem gegenüberliegenden Zahn zu einen ungehindert starken Wachstum kommen, da dieser nicht mehr beansprucht wird und sich daher nicht abnutzen kann.
Das Tier kann die Nahrung mit dem verformten Zahn nicht mehr oder nur schwer aufnehmen, geschweige benagen. Bei zu langen Nagezähnen ist auch heufig, das die Backenzähne ebenfalls einen veränderten Wuchs aufweisen, da das Tier versucht weiterhin zu fressen und die Zähne sich evtl. nicht mehr richtig abnutzen können.

3. Brückenbildung!

Bei den unteren Backenzähnen kann es zu einer sogenannten Brückenbildung der Zähne kommen, wenn sie nicht richtig abgenutzt werden. Hierbei wachsen die unteren Backnzähne beider Seiten so weit zusammen, das sie über der Zunge zusammentreffen und diese einschließen.
Ist es dazu gekommen wir die Zunge des Tieres stark behindert und das Schwein wird am kauen und schlucken gehindert. Ohne eine schnelle Zahnkorrektur eines Tierarztes würde solch ein Tier verhungern. Zahnprobleme bringen nicht selten Folgeerscheinungen wie Verdauungsstörungen, Durchfall, Flüssigkeitsdefizite und Abmagerungen mit sich.

Instrumente zur Zahnbehandlung bei Nagern
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Bildquelle: U.Libertus


Zahnanomalien werden häufig in Kleintierpraxen behandelt. Für eine solche Untersuchung hat eine gute Heimtierpraxis die geeigneten Untersuchungsinstrumente zur Hand (siehe Bild). Um das Mäulchen offen zu halten setzt der Tierarzt einen sogenannten Kieferspreizer ein, mit dessen Hilfe der Arzt einen sehr guten Einblick in das innere des Schnäutzchens bekommt. Mit einer Zange oder einem Zahnschleifer werden dann die Zahnkorrekturen erledigt. Bei kleineren Zahnkorrekturen bedarf es dafür auch keiner Narkose.

4. Vorbeugung!

Um schlimmeres zu verhindern, sollte man die Tiere genau beobachten und diese vorsorglich, regelmäßig auf ein trockenes Mäulchen, normale Kaubewegungen und auf das Gewicht hin kontrollieren. Läßt ein Tier nach Aufnahme des Futters dieses immer wieder fallen und nimmt selbst Lieblingsspeisen nicht mehr auf, können dies auch Symthome für Zahnprobleme sein. Schnell lassen sich auch die Schneidezähne kontrollieren, indem die Lippen angehoben werden. Ist hier ein Zahn zu lang, abgebrochen oder zeigt dieser einen abnormen Wuchs, weisen mit Sicherheit auch die Backenzähne eine Veränderung auf.
Dennoch kann es passieren, das ein Zahn abbricht und das Schweinchn nicht mehr richtig fressen kann. In solch einem Fall müssen weiche Futtermittel angeboten werden, bis der Zahn wieder nachgewachsen ist.
Bei Zahnproblemen sollte man sofort den Tierarzt aufsuchen um dem Tier unnötigen Hunger und Schmerz zu ersparen. Ein Tierarzt kann zu lange und zu spitze Zähne schnell kürzen, so das das Schwein wieder beschwerdefrei Fressen kann. Um schlimmeres zu verhindern sollte man die Tiere genau beobachten und diese vorsorglich regelmäßig auf trockene Mäulchen und das Gewicht auf eine Gewichtsabnahme hin kontrolieren. Auch kann man mit aussreichend angebotenen Nagematerialien vorbeugen.

Bild & Text / Copyright: Ute Libertus

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